29 Mai 2016

Going under


Da lauert es wieder, das Böse unter der Sonne Floridas...
Kann ein Trailer besser, spannender, atmosphärischer ausfallen? Wir sind verheissungsvoll gespannt. Grosses Kompliment auch für das herrlich verdüsterte Cover von Seals Evergreen 'Crazy'. Stay tuned for further information. 


16 Mai 2016

Peaky Blinders, Vol. 2


Die Kamera fährt, vom prunkvollen Türbogenblick, gemächlich in einen golden erleuchteten Tanzsaal der 1920er Jahre. Im Zeitlupentakt richtet sie ihren Blick auf die verschwommene Masse der ausgelassen Tanzenden, allesamt gut Überlebende des Ersten Weltkrieges. Die sprichwörtliche 'Jeunesse dorée' feiert sich selbst. Man hört den von der schwarzen Combo exzessiv aufgespielten Jazz nicht, man sieht ihn nur - in den verkrümmten Bewegungen der Gesichtslosen. In ihren orgiastisch verzerrten, schwummrig glückseligkeitsheischenden Antlitzen. Und dann feuert das Maschinengeballer los, die Kamerafahrt beschleunigt sich, die Masse stöbt auseinander. Und alle Freude endet in einem ziemlich blutigen Mobintermezzo.  
Dies nur eine der starken Momentaufnahmen aus der zweiten Staffel der 'Peaky Blinders'. Es scheint, als hätte diese Ausnahmeserie noch mehr zu einem ganz eigenen Ausdruck, in ihrer gestalterischen Stilwilligkeit von Bild- und Tonkomposition, gefunden. Wie da Nick Cave, PJ Harvey und weitere Singer-/Songwriterkonsorten zum düster-industriell gehaltenen Ausstattungsambiente ihre reduzierten Töne raunen, hauchen, gröhlen, und wie die elektrische Gitarre schwurbelt, das Schlagzeug drischt, der Bass dröhnt: das hat schon, einmal mehr, ganz grosse BBC Klasse. In der abgemagert-hageren Gestalt von Cillian Murphy (in der poshen Figur des aufstrebenden Gangleaders Thomas Shelby) findet sich eine gesamte Zeiterzählung - von Not-, Elends- und Kriegserfahrung, aber auch von Ambition und Tempora-Reflexion - wieder. Die scharfen Wangenknochen scheinen dabei ein Eigenleben zu führen, als wollten sie sich, allein für sich benommen, tief ins TV-Narrationsgedächtnis einschürfen. Umspielt wird Murphy, nebst gut bestückten anderen, von den nicht minder einprägsamen Gestalten des Sam Neill (als zwielichtig-humpelnder Churchill-Protégé in Geheimdienstfunktion) und Tom Hardy (als vorgeblich-solider Bäckereiunternehmer, und tatsächlich gewaltätig(st)-unberechenbarer Schnapsbrenner). Körperlichkeit hat in dieser Serie Trumpf, in Mensch wie Ton. Zu sehen aktuell auf Netflix.


Etwas weniger rund gelungen nimmt sich dagegen die erste europäische Netflix-Eigenproduktion, unter der schlichten Namensformel 'Marseille', aus. Auch sie wird von einer wuchtigen Gestalt getrieben - derjenigen des monumental agierenden Gérard Depardieu. Wie er insbesondere seinen beachtlichen Bauchumfang durch die stetig gleitenden Kameragänge trägt, ist von selten gesehenem Gewicht. Im Mienenspiel spiegelt sich ein gutwillig-opportunistischer Geist wieder - einer, der es versteht, zu mauscheln und zu manipulieren, und sich doch so etwas wie einen Klein-Rest von menschlicher, wie politischer, Integrität wahrt. Ein moderner Windmühlenkämpfer par excellence. Nur schade, dass dieser doch ziemlich spannend angelegten Figur in der - leider ziemlich vorhersehbaren - Cliffhanger-Abschlussfolge etwas gar apologetische Weihezüge verliehen wurden. Auch fügen sich die durchaus eleganten Bilderbögen (noch) nicht zu einem stimmigen Ganzen mit den etwas gar abgehackt geratenen Erzählsträngen. Prädikat, dennoch: sehenswert, wenngleich nicht zu vergleichen mit anderen derzeit geläufigen, hochkarätigen Netflix-Kalibern wie 'Jessica Jones' und 'Daredevil' (das Warten auf die hiesige Ausstrahlung der vierten Staffel von 'House of Cards' zieht sich bekanntlich leidigerweise noch hin).


20 März 2016

To chase the light


Aus aktuellem Anlass -
für die neue kleine Erdenbürgerin, die sich ihren Weg zu uns bahnte (was mithin erklärt, weshalb diese Seiten momentan ein Schattendasein fristen). 


16 Oktober 2015

Find, fix, finish


Ich halte mich hierorts politisch in aller Regel bedeckt - mit gutem Grund. Was ich zu sagen, oder vielmehr (mit) zu teilen habe, sprengt in meinen Augen einen engeren politischen Rahmen. Respektive halte ich mich an, und vertraue auf, eine grenzüberschreitende(re) Perspektivenvermittlung durch Kunst, oder grober gesagt, Kultur. Man kann Haltung(en) einnehmen, ohne sie einem anderen mit einem spezifisch-unzweifelhaften weltanschaulichen 'label' versehen gradewegs aufs Auge drücken zu müssen. Entsprechend habe ich auch nicht vor, diesen Grundsatz in näherer Zukunft zu brechen. 
Dennoch trifft es sich gerade, dass sich eine tagespolitische Debatte mit einer kürzlichen Seherfahrung überschneidet: die Rede ist davon, ob 'sauberes' Töten durch Drohnen möglich ist. Es liegt mir fern, näher auf die geleakten Informationen einzugehen, die derzeit in öffentlicher Breite verhandelt werden. Wer sich jedoch ein fiktionalisiertes Bild, basierend auf wahren Geschehnissen, davon machen will, dem empfehle ich ohne weitere Begleitworte 'Good Kill', mit einem grossartig eingespannten Ethan Hawke. Es ist überhaupt erstaunlich, wie sich dieser einstige Hollywood-Schönling immer wieder zu respektablen Karrierehochs durchmausert, sei es vor Längerem in Filmen wie 'Gattaca' und 'Training Day', oder kürzlich in (dem insgesamt etwas überambitioniert geratenen) 'Predestination', oder 'Boyhood'. Da mag es zwischendurch auch etwas zwielichtigere, obschon nicht ununterhaltsame Projekte wie 'Daybreakers' und 'The Purge' vertragen. Jedenfalls hätte man das von dem schauspielerisch noch etwas blassen Jungen aus 'Reality Bites' und 'Before Sunrise' so nicht erwarten können - zumindest ich hatte ihn nicht längerfristig auf dem Radar.  


17 Juli 2015

Storylines


"You come to this place, midlife. You don't know how you got here, but suddenly you're staring fifty in the face. When you turn and look back down the years, you glimpse the ghosts of other lives you might have led. All your houses are haunted by the person you might have been. The wraiths and phantoms creep under your carpets and between the warp and weft of your curtains, they lurk in wardrobes and lie flat under drawer liners. You think of the children you might have had but didn't. When the midwife says, 'It's a boy,' where does the girl go? When you think you're pregnant, and you're not, what happens to the child that has already formed in your mind? You keep it filed in a drawer of your consiousness, like a short story that wouldn't work after the opening lines." 
Hilary Mantel, Giving Up the Ghost


13 Juni 2015

Eigenleben (Existenzialismus VI)


"Am Ende schlägt man sich doch immer alleine durch. Und? Dafür machst du es doch auch, oder nicht? Um es am eigenen Leib zu erfahren. Um es auf eine konkrete Armlänge heranzuholen." 
Terézia Mora, Nicht sterben

31 Mai 2015

Ima neka tajna veza (Existenzialismus V)


"Aus dem ungeschriebenen Gesetz der Verflechtung von allem mit allem folgt auch dies: Der Reichtum eines einzelnen Menschenlebens hängt davon ab, wie viele Fäden dieser Mensch festhalten kann. Die gesamte menschliche Kultur ist nichts anderes als ein gigantisches Geflecht aus Myriaden von Fäden, in dem genau so viele bewahrt werden, wie du selbst festhalten kannst." 
Ljudmila Ulitzkaja, Die Kehrseite des Himmels

17 Mai 2015

The Beautiful Mess


"It was all unknown to me then, as I sat on the white bench the day I finished my hike. Everything except the fact that I didn't have to know. That it was enough to trust what I'd done was true. To understand its meaning without yet being able to say precisely what it was, like all those lines from The Dream of a Common Language that had run through my nights and days. To believe that I didn't need to reach with my bare hands anymore. To know that seeing the fish beneath the surface of the water was enough. That it was everything. It was my life - like all lives, mysterious and irrevocable and sacred. So very close, so very present, so very belonging to me. 
How wild it was, to let it be."  
Cheryl Strayed, Wild: From Lost to Found on the Pacific Crest Trail


10 Mai 2015


"What about the other side of letting go, the side that stuck closest to the words themselves? When you really let go, you were saying goodbye forever. No one ever wanted to talk about that aspect; it was universally considered too painful. It didn't seem as if anyone came to terms with the real business of letting go. You just gradually loosened your grip, and after a while you simply forgot that you were holding on." 
Meg Wolitzer, Sleepwalking

30 April 2015