17 Mai 2022

Who wants to live forever...

Irgendwann kommt bei fast allem im Leben dieser eine Tag. Der Tag, an dem es gilt, Adieu zu sagen. Und für Dich, lieber Blog, meine kleine Nische in den unendlichen Weiten des world wide web, ist heute dieser Tag gekommen. 

Sodann, leb wohl, Du geduldiges Notizbuch für diverse Gedankenfetzen, und scrapbook für allerlei Inspirierendes. Du warst mir ein treuer Begleiter in früheren Jahren, und eine dankbare Zwischenstation für neue Texte zuletzt. Ich konnte auf Deinen Seiten vogelfrei schalten und walten, sowie nach Lust und Laune ausprobieren, wonach mir gerade der Sinn stand. Und ja, ich mag Dein inzwischen total veraltetes Design noch immer. Das ist nicht der Punkt, weshalb wir uns an dieser Stelle trennen. Aber die Leserschaft dieser Plattform ist länger schon weitergezogen, und deshalb tu ich das jetzt auch. 

Ich gehe neue Wege, in einem anderen Rahmen, und lasse Dich erst mal hier stehen. Du wirst weiter geduldig Deinen Raum einnehmen, denn Dich zu löschen brächte ich nicht übers Herz. Und wisse, ein wesentlicher Teil von Dir lebt auch an dem alternativen Ort, den ich für uns geschaffen habe, weiter. 

Denn wir bleiben weiter los:wort. 

Wer uns sucht, findet uns fortan unter gehabtem Begriff in leicht aufgemotztem Gewand auf Instagram: https://www.instagram.com/loswortUnd wie es sich für uns geziemt, verbeugen wir uns mit Stil (ohne Tränen, reiss Dich doch bitte mal zusammen) - und verlassen diese kleine Bühne mit einem letzten, finalen Knall.






10 März 2022

Epilog: Wenn ich es baue

Ich habe diesen einen Traum. Ich möchte in meinem Leben Menschen begegnen, die auf ihrem Weg sind und etwas zu erzählen haben. Menschen, deren Geschichten nur das Leben selbst schreiben konnte, die auf den Grund ihrer Seele gegangen und zurückgekehrt sind, um die Welt an ihrer Erzählung teilhaben zu lassen. Deren Worte Gewicht haben und zugleich leicht sind wie Federn. Die die Angst kennen und sich dennoch nicht beugen liessen, und die sich selbst wieder und wieder überwunden haben, um das zu werden, was sie sind: lebende Gebote dessen, was das Leben von uns allen fordert. 

Du wirst es wissen, wenn Du einem solchen Mensch begegnest. Er wird in Dir eine Saite zum Klingen bringen, von der Du nicht wusstest, dass Du sie in Dir trägst. Du wirst fühlen, dass etwas in Dir sich in eine Richtung bewegt, von der Du zuvor nichts geahnt hast. Dein Blick wird sich nicht mehr nach Norden richten, denn Dein wahrer Norden wird Dich rufen. Dein Kompass wird sich unabänderlich in seinen Dienst stellen, und egal wie lang der Weg noch dauert, Du wirst nie mehr von ihm ablassen. 

Ich werde ein Haus für uns bauen, die wir losgegangen sind, aber noch nicht an unserem Horizont angekommen. Eine Hütte im Sturm für alle, die unterwegs sind und bereit, ihren Stein am Rollen zu halten. Wir sind viele, und wir sind nicht allein. Wenn Du in Dich blickst, dann weisst Du bereits: wir haben keine andere Wahl. Also lass uns aufbrechen, jetzt, und lass uns Mut in unsere Herzen pflanzen, in diesem Augenblick. Denn er ist alles, was wir je haben werden.

Und so lautet meine letzte Frage an Dich: wenn ich es baue – wirst Du kommen? 

08 März 2022

Tag 22: Das Gute Leben

Ich bin eine Alchemistin der Worte, bereit, diese Worte hiermit in die Welt zu tragen. Ich reiche sie dar in verdichteter Form, als hinterlassene Haut.[1] Ich nahm meine gesamte Erfahrung und liess sie gären, bis nur noch Schwärze um mich war. Ich brannte aus, bis allein das Silber von Asche übrig blieb. Und ich verflüchtigte und zog daraus Bilder aus Gold, welche wahr sind nur als Bilder. Ich schreibe nicht Worte um der Worte willen. Ich schreibe, um Bilder in Worte zu prägen. Ich schreibe sie auf für diejenigen, die hören sollen, dass da draussen eine Melodie auf sie wartet, und bin dabei nur ein zeitweises Gefäss für etwas, das von Mensch zu Mensch wandert. Ein einzelnes Glied in einer langen Kette. Eine Fackelträgerin im ewigen Staffellauf.

Als ich noch Grosses wirken wollte, hatte es in meinem Gefäss keinen Platz für diese schlichte Wahrheit. Es war zu voll mit den Insignien eines stolzen Lebens. Als ich mein Gefäss endlich leerte, um den Inhalt zu besehen, fand ich darin: Ehrgeiz, und Streben nach Ruhm. Not, und Mangel an Fülle. Angst, und fehlende Bereitschaft. Eitelkeit, und launige Missgunst. Sowie Hass, und selbstgerechten Zorn. Aber im Staffellauf liegt die Betonung auf Staffel. Wenn wir an jemand anderen die Flamme der Inspiration weiter geben, auf dass dessen Licht hell aufleuchtet, um sodann weiter in die Welt getragen zu werden: dann ist alles gewonnen. Ich folge nun meiner lautlosen Melodie, und in ihr fliessen mir die Dinge zu, die ich in meine Form bringen muss. Es ist das Möglichste, was ich tun kann, um meine tiefe Ehrfurcht vor dem Leben in all seinen Formen zu bezeugen.

Wisse, ich trage nicht den Stein der Weisen für Dich. Nach diesem musst Du selbst in Deinem Inneren schürfen. Ich führe Dich lediglich dorthin, wo Du vielleicht erkennst, dass Du jetzt für den Absprung bereit und gewappnet bist. Den Absprung aus dem Lebenssinn, wie Du ihn bisher kanntest. War Dein Dasein bislang ein hohles Fass, bodenlos, ein Gefäss ohne Raum für beständigen Wert, musst Du vielleicht noch bevor Du zum Alchemisten wirst, zum Zimmermann werden, oder zur Töpferin. Um das Gefäss zu erschaffen für Deine eigene Alchemie der Dinge, jenseits von dem, was Du für gut und böse hieltest. Das Gute Leben findet Dich dort, wo Du das Echte in Dich treten lässt und alles Falsche ablegst, wie alte, überkommene Kleider.

Alle neuen Kleider des Kaisers konnten nicht verbergen, was darunter lag. Entscheide nun selbst für Dich, was unter Deiner Hülle zum Vorschein kommen soll. Und dann: lass es scheinen. 



[1] «Wild things leave skins behind them, they leave clean skins and teeth and white bones behind them, and these are the tokens passed from one to another, so that the fugitive kind can always follow their kind.» Tennessee Williams, Orpheus Descending, New York 1958

06 März 2022

Tag 21: Morgenrot

Jemand sagte einmal, dass in der vollkommenen Bejahung des notwendigen Geschicks die Formel für menschliche Grösse liege.[1] Ein anderer sagte, dass angesichts des Absurden in der Welt die einzige Hoffnung in hoffnungsloser Lage darin liege, das Absurde anzunehmen und sich darin zur Freiheit hin zu verwirklichen.[2] 

Ich kann Dir nicht sagen, wie es sich in Deinem Leben verhält, mit Deinem Geschick und an Deinem Felsen. Ich weiss nicht, welchen Stein Du den Abhang hinaufrollst, auch nicht, was Dir dabei widerfahren ist. Und was Du alles auf Deiner bisherigen Reise verloren oder gewonnen hast. Ich weiss nicht, was es Dich täglich kostet, Deinen Stein am Rollen zu halten. Überhaupt: in Bewegung zu bleiben. Und ich weiss auch nicht, wieviel Sonne Dir beschieden war und wieviel Regen. Gottes Wege sind unergründlich, und was wem nach welchem Mass bemessen wird, entzieht sich gänzlich unserem menschlichen Verstand. Aber eines weiss ich: jedes menschliche Herz bricht auf dieselbe Weise, und niemand kommt ganz und gar ungebrochen davon. Wenn es geschieht, dass Dein Herz bricht, wisse: Du bist verbunden und nicht allein. Schmerz, noch vor der Liebe, ist was uns Menschen alle eint. In unserem Schmerz werden wir alle gleich, vor Gott und der Welt. Bevor wir uns in Liebe erkennen, erkennen wir einander im Leid. 

An dem Punkt, an dem ich an meinem Abhang stehe, kann ich Dir nicht sagen, ob Sisyphos glücklich ist. Ob dies das Ziel ist, dem wir alle entgegen streben. Aber ich weiss, dass unser Geschick in der Tat uns allein gehört, ebenso wie unser Fels. Ich weiss, dass unser Stein noch immer rollt, obschon vielleicht noch durch die dunkle Nacht. Doch jede Nacht findet ein Ende, wenn sich nach langen bangen Stunden ein Silberstreif am Horizont abzeichnet. Ein neues Morgenrot. Vielleicht ist es nicht das Ziel unserer Leben, Glück zu finden, sondern alles zu schöpfen und alles zu sein, was dieses Leben in der unermesslichen Fülle unseres Liebens und Leidens an uns heranträgt. Jede Erfahrung, jedes Gefühl. 

Am Ende des Tages wartet dann womöglich nicht das Glück in unserer Hütte. Aber wenn wir alles bejaht haben, was an uns herangetragen wurde, wenn wir es bis zur Neige erfahren, gefühlt und gelebt haben: dann wartet womöglich Frieden auf uns. Dort, am Ende des Tunnels. Dann, am Ende der Nacht. 



[1] «Meine Formel für die Grösse am Menschen ist amor fati: dass man Nichts anders haben will, vorwärts nicht, rückwärts nicht, in alle Ewigkeit nicht. Das Nothwendige nicht bloss ertragen, noch weniger verhehlen – aller Idealismus ist Verlogenheit vor dem Nothwendigen –, sondern es lieben.» Friedrich Nietzsche, Ecce Homo. Wie man wird, was man ist. Entstanden 1888–89. Erstdruck: Leipzig 1908

[2] «Darin besteht die verborgene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. [...] Der absurde Mensch sagt ja, und seine Anstrengung hört nicht mehr auf. Wenn es ein persönliches Geschick gibt, dann gibt es kein übergeordnetes Schicksal oder zumindest nur eines, das er unheilvoll und verachtenswert findet. Darüber hinaus weiß er sich als Herr seiner Tage. In diesem besonderen Augenblick, in dem der Mensch sich seinem Leben zuwendet, betrachtet Sisyphos, der zu seinem Stein zurückkehrt, die Reihe unzusammenhängender Handlungen, die sein Schicksal werden, als von ihm geschaffen, vereint unter dem Blick seiner Erinnerung und bald besiegelt durch den Tod. Derart überzeugt vom ganz und gar menschlichen Ursprung alles Menschlichen, ein Blinder, der sehen möchte und weiß, dass die Nacht kein Ende hat, ist er immer unterwegs. Noch rollt der Stein. […] Dieses Universum, das nun keinen Herrn mehr kennt, kommt ihm weder unfruchtbar noch wertlos vor. Jeder Gran dieses Steins, jedes mineralische Aufblitzen in diesem in Nacht gehüllten Berg ist eine Welt für sich. Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.» Albert Camus, Der Mythos des Sisyphos, Reinbek 2004. S. 159f.

04 März 2022

Wo die Zeit mich hinträgt

"Going inward. That's the real work. The solutions are not outside of us. Get to know who you really are, because as you search for the hero within, you inevitably become one." ~ Emma Tiebens



Mit Gruss nach Deutschland, und Dank für die Inspiration. 

01 März 2022

Tag 20: Signaturen

Du bist ist nicht allein. Vom Moment Deiner Geburt an bist Du umgeben von einer wunderbaren Welt der Menschen und der Dinge. Menschen, die Dich lieben und prägen. Wisse immer, sie tun ihr Mögliches, vor dem Horizont ihrer eigenen Prägung. Die wenigsten handeln böse, und nichts ist je persönlich. Irgendwann, wenn Du älter wirst und schon eine Zeit lang auf eigenen Füssen gelebt hast, wirst Du erkennen, wie schwierig es ist, ein gutes Leben zu führen. Wie nahezu unmöglich, nicht in den Kreislauf Deiner Ahnen zu treten, wo man einander unaufgefordert die Büchse der Pandora weitergereicht hat. Ein ungelebtes Leben ist leicht. Kein gelebtes Leben ist je einfach. Bedenke dies, bevor Du Deinen Stab über Deine Nächsten brichst – und über Dich selbst. Wenn Du Dir mit Freundlichkeit im Spiegel begegnen möchtest, triff fortan andere Entscheidungen. Unterbrich den Kreislauf der Gewalt und beginne einen Kreislauf der Liebe. Tue Du nun Dein Mögliches, in klarem Bewusstsein, was dieses Mögliche sein soll. Sähe keine Gewalt. 

Doch auch von Dingen bist Du umgeben, einem ganzen Sammelsurium der Dinge. Sie prägen Dich ebenso, deshalb achte darauf, was Du in Deinen Bannkreis lässt. Die Dinge der Natur, Musik, Bücher, Filme, Kunst, sie alle erheben Deine Seele, besonders an Tagen, die schwer auf Dir lasten. Wende Dich ab von jenen Dingen, die Deine Zeit fressen, ohne Dir einen Gegenwert zu geben. Wende Dich ab von geschwätzigen Dingen, von lauten Dingen, von bevormundenden Dingen. Sieh in die Welt ohne den Rahmen, den sie Dir verpassen wollen. Sieh in die Welt mit Deinen Augen. Es ist unendlich leicht, sich im falschen Universum zu verirren.

Wenn Du aufmerksam genug bist, wirst Du merken, wie die Menschen und die Dinge in Deinem Leben vermehrt eine Botschaft für Dich tragen. Alles, was Du brauchst, wird Dir aus dem ewigen Fluss des Lebens zugeschwemmt und Du musst nur noch zugreifen. Das Leben ist grosszügig, grossmütig. Du musst ihm nicht nachjagen: es findet Dich. Du musst Dich ihm nur öffnen, in Dankbarkeit. Dankbarkeit ist der Schlüssel, der viele Türen aufschliesst. Dankbarkeit eröffnet auch den Weg, der Dich immer näher an das Herz der Dinge und der Menschen führt. Du bist einst aufgebrochen, um den Menschen und seine Welt ihrem Wesen nach zu erkennen; jetzt näherst Du Dich Stück für Stück der Mitte des Labyrinths. Der Minotaurus, der Dich darin erwartet, ist die Botschaft, die das Labyrinth Dir aus dem Herzen der Finsternis schickt. Nimm den Faden fest in die Hand und werde bereit, Dich selbst zu erkennen. 

Folge Deiner Angst und sei unbesorgt. Der Faden wird Dich wieder ans Licht führen, wenn die Zeit dafür reif ist. Sobald Du gelernt hast, auf Taubenfüssen zu wandeln.[1] 



[1] «Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüssen kommen, lenken die Welt.» Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und für Keinen, Chemnitz 1883

26 Februar 2022

Tag 19: Licht

Wenn Du lang genug in der Finsternis gewandelt bist, trittst Du daraus gefestigt hervor. Sofern Du den Ausweg findest und Dich nicht zu sehr in die Dunkelheit verliebst. Deine Höllenkreise haben Dich stark gemacht, indem sie Dich Zerbrechlichkeit gelehrt haben. Du gingst als Ganzes hinein und kamst zersplittert hinaus. Zersplittert, aber ungebrochen; zerbrochen, aber unkaputtbar. Jetzt musst Du lernen, gleich einem Prisma das Licht zu bündeln und zu brechen, und daraus Kraft zu schöpfen. Stärke und Kraft sind nicht dasselbe.

Nun bist Du kein gleichseitiges Dreieck, kein gleichmässiger Würfel. Du eignest Dich nicht für Totalreflexion, und für jede Art von Polarisation brauchst Du ein Gegenstück. Aber Du nimmst Licht auf, brichst es und gibst es weiter. Wir alle brechen das Licht auf ganz unterschiedliche Weise, darin liegt die Schönheit unserer Vielfalt. Jeder Strahl fällt auf einen anderen Teil unserer geteilten Erfahrung, und erhellt ein anderes Stück. Wir brauchen einander, um das ganze Bild zu sehen. Und wir brauchen das Licht der anderen, wenn unser eigenes eine Zeit lang nicht brechen will.

Als menschliche Wesen schöpfen wir aus beidem: aus dem Wissen um die Sterblichkeit unserer Körper, und aus der Ahnung der Unsterblichkeit unserer Seelen. Wir ziehen Stärke daraus, dass wir unkaputtbar sind ungeachtet aller Widrigkeiten, die das Leben an uns heranträgt, und Kraft daraus, dass wir eines Tages zweifellos von dieser Erde gehen werden. Beides gehört untrennbar zusammen, wie das Eine und das Nichts. Hätten wir unser Ende nicht eingebrannt vor Augen, wir würden nicht danach streben, unser Schönstes aus diesem Dasein zu schöpfen. Alle irdische Schönheit existiert nur vor dem Hintergrund der Vergänglichkeit. Und wenn wir also endlich sind, wie alles in dieser Welt der Materie: weshalb bringen wir dann zu viel kostbare Zeit mit Unwichtigem, Unwesentlichen, Unschönen zu? Es zieht uns deshalb zum Schönen, weil das Schöne für uns ein Markstein hin zum Guten und Wahren ist.

Nur erkennen wir irgendwann, dass uns das Gute und das Wahre nicht ohne Kehrseite zugänglich ist. Schliessen wir selbige aus, ist es so, als würden wir uns ans Leben hängen, ohne je wirklich zu leben. Die Schönsten von uns sind die, die das Leben gleich einem Kaleidoskop durch und durch geschüttelt und tausendfach zersplittert hat. Ihr Licht bricht sich fortan myriadenfach. Und ihr Leuchten erhellt die Welt. 

24 Februar 2022

Let there be no war

Ich hatte gehofft 
man würde diese Worte 
hier, im Herzen von Europa, 
nie mehr aussprechen müssen. 

And I tell you:
Let the seas flood everything,
let the glaciers crash down,
let the eternal snows melt, 
let the rains go wild,
let the thunders go crazy,
just let there be no war.

 
And I tell you:
Let the seasons change,
let the stars get upset,
let the mountains move,
let the winds run riot,
let the volcanoes awaken,
just let there be no war.

 
Just let there be no war
no madness among people
the Big offer delusions
frighten us with dark miracles
and do harm to all fairytales.

Just let there be no war.
Samo da rata ne bude. 



23 Februar 2022

Tag 18: Brennholz

Wir alle verlieren Menschen entlang des Weges, manche verfrüht, andere zu spät. Manche sterben, andere verlassen uns auf andere Weise. Mit manchen haben wir unser Leben eng geteilt, über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Doch wenn wieder einige Jahre ins Land gezogen sind, ist es fast so, als wären sie nie Teil unseres Lebens gewesen. Vielleicht mussten wir ihre Präsenz leugnen, um weiterleben zu können, mussten auslöschen, wer wir mit ihnen waren, um weiterzumachen und an ein neues Glück zu glauben. Vielleicht ist es am Ende auch so, dass wir mehr uns selbst verlieren, als andere und anderes. Vielleicht verlieren wir die Person, die wir an diesem Ort waren, in dieser Tätigkeit, umgeben von diesen Menschen. 

Doch wenn wir uns alle in der Wiederkehr der Jahre immer wieder aufs Neue verlieren, wenn wir andere und anderes verlieren, was bleibt dann am Ende von uns übrig? Wer sind wir, wenn wir uns stetig ändern? Was wir verlieren, und was wir waren, liegt an der Oberfläche unserer Dinge. Wir handeln so, als ob uns dies alles im Kern ausmacht, doch in unserem Kern sind alle Erinnerungen unseres Lebens fest verwoben. Nur an der Oberfläche müssen sie zeitweise in den Schatten treten, damit ein anderes Leben entstehen kann: das Leben danach. Unser Ich hält zu oft am Leiden fest, wenn das Leid längst vorüber ist. Wenn wir festhalten, leben wir nicht weiter. Also rücken wir das Leiden sanft beiseite, um in unserem Alltag fortzuschreiten, und es ist gut so. Wer immerzu leidet, lebt nicht. Nicht wirklich. Er überlebt womöglich, aber das ist auch schon alles. Und wir wurden nicht gemacht, um nur zu überleben.

Das Leben hat uns in diese Welt gebracht, damit wir vieles sehen, hören, fühlen. Damit wir es mit allen Sinnen in uns aufnehmen, auf die uns eigene Art. Wir wurden in die Mitte gestellt, um jede Facette und Schattierung zu erfassen und nicht, damit wir in den Tiefen verharren. Also liebe, und lass los. Lebe, und lass los. Wisse, dass im Kern dessen, was Dich ausmacht, alles sicher verwahrt ist. Und eines Tages wirst Du allem, was Du je geliebt hast, wieder begegnen: ohne Leid, ohne Schmerz, nur in geteilter Freude über ein gelungenes Leben. 

Es ist alles gut, sagt das Leben immerzu, und Du darfst darauf vertrauen. Du darfst vertrauen, dass Deine Seele Dich sicher durchs Leben führt. Sei dankbar im Wissen, dass nichts je wirklich verloren ist. Und lerne, zwischen Schnitzholz und Brennholz zu unterscheiden. 

21 Februar 2022

Tag 17: Im Feuer

Es gibt Dinge, die sind unrettbar verloren. In dem Moment, in dem wir ihrer gewahr wurden, sind sie auch schon an uns vorbeigezogen. Der Atemzug von eben, das Lächeln dieses Augenblicks. Der Trick ist daher hinzusehen. Halte die Augen offen für die flüchtige Magie des Alltags. Nicht die grossen Dinge wirst Du vermissen, wenn Du eines Tages Deinen Heimweg von dieser Erde antrittst. Sondern die kleinen, einfachen Dinge. Jeder Sonnenaufgang kann nur genau einmal betrachtet werden. Vergiss das nicht.

Die meiste Zeit unseres Lebens bringen wir damit zu, Dingen nachzujagen. Dann, wenn wir sie erreicht haben und sie scheinbar uns gehören, stellen wir verwundert fest, dass sie uns nichts sagen und nichts Wesentliches zu unserem Glück beitragen. Also lassen wir los, verlegen uns auf eine nächste Jagd und registrieren irgendwann, dass wir das Verlorene verklären und vermissen. Und so schwanken wir stetig zwischen der Nostalgie bezüglich eines alten und der Hoffnung auf ein neues Ende, aber das Skript als solches ändern wir nicht. Damit wird ein jedes Ende notwendig dem nächsten gleichen; weil wir die Alten geblieben sind. Wir lassen nicht zu, dass Neues uns wirklich berührt. Wir wollen es lediglich haben, und so schaffen wir unseren eigenen Höllenkreis.[1] Unser Feuer brennt lichterloh, und es verschwinden darin nicht nur so manche Erinnerungen, die mit sepiafarbenen Abzügen ersetzt werden. Wir selber verschwinden darin auch, und werden zu Abziehbildern unserer Selbst.

Sei Dir stets bewusst: wenn Du mit dem Feuer spielst, wird etwas brennen. Und Du wirst nicht immer bestimmen können, was im Feuer landet, Original oder Kopie. Du hast so manche Liebe darin verloren, und manche Freundschaft. Es mag sein, dass ihre Zeit ohnehin gekommen und es nie gegeben war, dass sie in Deinem Leben verweilen. Doch frage Dich: hast Du es bei der nächsten Liebe, einer weiteren Freundschaft anders gemacht? Oder wirst Du eines Tages mit demselben Loch im Herzen aufwachen und Dir sagen: das hier ist ein Gefängnis, hier muss ich raus. Die eine grosse Kunst im Leben besteht darin zu erkennen, wann man es sich zu schwer macht. Und wann zu leicht. Wenn Du dieselben Dinge auf die immer gleiche Weise tutst, nur mit einem neuen Filter versehen, wirst Du am Ende erneut Kopien in Deinen Händen halten. Nur diesmal vielleicht in Lo-Fi.

Die Dinge jedoch, die wirklich schmerzen und ein Loch in Deiner Seele hinterlassen, sind nicht die, die Du hast brennen lassen. Sondern die, die Du schlicht verlegt hast.



[1] Erich Fromm, To Have or to Be?, New York 1976