03 Januar 2013

Dichte Beschreibung (Hausmitteilung)


Neues Jahr, neue Vorsätze. Oder doch zumindest einer: die (längst überfällige) Hausmitteilung verfassen (so etwas geht mir, wie man alsbald merken wird, nicht gerade leicht, und schon gar nicht locker von der Hand...). Vorweg: als Geisteswissenschaftlerin historischer Prägart bin ich sozusagen habituell an kulturellen Phänomenen und ihrer Geschichte interessiert, weshalb es quasi in der Natur der Sache liegt, dass sich das vorliegende Gefäss in der virtuellen Landschaft als (eine Art) Kulturplattform verortet (wobei mit Kultur im erweiterten Geertzschen Verständnis ein vom Menschen selbstgesponnenes Gewebe von Be/Deutungen gemeint ist). Davon ausgehend stellt sich für mich die Mutter aller Ausgangsfragen, nämlich welchen (Un)Sinn Kulturbeobachtung im Allgmeinen sowie Kulturanalyse im Besonderen für unser Verständnis von Gesellschaft (und uns selbst) zu leisten vermag, und wo sie gegebenenfalls an ihre Grenzen stösst. 
Kultur ist nichts Abstraktes, sie spielt sich im konkreten Handeln zwischen Menschen ab, was zur Folge hat, dass es nichts 'typisch Menschliches' ausserhalb von Kultur gibt: andere durch ein individuell wie kollektiv geprägtes Knäuel von Wahrnehmungsmustern hindurch (deutend) zu verstehen, Sinnzusammenhänge aus Symbolen, Handlungs- und Verhaltensweisen (deutend) abzuleiten ist das Schicksal des Menschen, dieses Cassirerschen 'animal symbolicum'; es kann schlicht nicht anders (respektive aus seiner Haut). Dahinter steht die Annahme, dass sich Be/Deutungssysteme nicht zuletzt in symbolischen Veräusserlichungen konkretisieren, die sich nicht so sehr über eine Suche nach Gesetzen, als vielmehr über so etwas wie 'dichte Beschreibung' fassen lassen. (Wobei sich wiederum die berechtigte Frage stellt, wie der Interpretierende die symbolischen Veräusserlichungen eines bestimmten kulturellen Systems dingfest machen kann, ohne dass sich seine Interpretationsversuche lediglich auf eine Reproduktion der eigenen symbolischen Ordnung belaufen; bei näherem Licht betrachtet kommt er nicht umhin, die eigenen Vor/Annahmen a priori offenzulegen, denn es gibt sie schlicht nicht, die direkte, gleichsam sich selbst offenbarende und damit voraus/setzungslose Lesbarkeit bedeutungsvoller Zeichen.)
Nach der Trockenübung das Wesentliche: wozu das Ganze hier? Mir schwebt im noch nicht eingetretenen Idealfall (eine Art) 'dichte Beschreibung' fragmentarisch-momentaufnahmeähnlichen Charakters vor. (Einen Anspruch auf abschliessende Kulturdeutung hege ich nicht, auch wenn mich die für einmal in Foucaultsche Begriffe gefasste Faustsche Ur-Suche nach dem, was die Menschen und die Dinge im Inneren zusammenhält, zugegebenermassen umtreibt.) Und ich lade interessierte Lesende dazu ein, an dieser persönlichen Vermessung der kulturellen Welt nach Belieben teilzuhaben  Anregendes, Kritisches, Nachhakendes, Fortspinnendes, kurzum: Weiterdenkenes ist mir in jeder Gestalt willkommen. 

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